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Analyse4 Min. Lesezeit

Haltlose Behauptungen und brüchiges Halbwissen

Eine kritische Analyse der auf totalverlustrisiko.de veröffentlichten Mittelverwendungskontrollberichte und warum die Erzählung an ihrer eigenen inneren Logik zerbricht."

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Worum es auf dieser Seite geht

totalverlustrisiko.de präsentiert sich als deutschsprachiges Portal, das unter dem Untertitel „Bei welchen Anlagen ist die Gefahr groß?“ auftritt. Es gibt vor, eine laufend aktualisierte Sammlung sogenannter Mittelverwendungskontrollberichte und ähnlicher Pflichtveröffentlichungen zu Vermögensanlagen bereitzustellen, mit Schwerpunkt auf Nachrangdarlehen aus dem Crowdinvesting-Bereich. Solche Berichte sind laut Darstellung nach § 5c Vermögensanlagengesetz gesetzlich vorgeschrieben: Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer soll regelmäßig kontrollieren und veröffentlichen, wie das Geld der Anleger tatsächlich verwendet wurde. Das angebliche Archiv reicht bis mindestens 2023 zurück, die Seite gibt sich also den Anschein eines länger gepflegten, seriösen Angebots, das Anleger vor riskanten oder gescheiterten Investments warnen will.

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Was die Seite im Kern behauptet

Im Mittelpunkt steht eine Berichtsserie des Prüfers Martin Jäschke (Wirtschaftsprüfer/Steuerberater, Leipzig) zur Vermögensanlage „Nachrangdarlehen CrowdPower Invest GmbH 8,00 %_2024_2026“, bestehend aus drei Berichten zu verschiedenen Stichtagen (Februar 2025, August 2025 und einem Abschlussbericht im Februar 2026). Die Erzählung lautet: Die CrowdPower Invest GmbH habe 580.000 Euro von Anlegern eingesammelt, die als Nachrangdarlehen mit 8 % Zinsen an eine Tochtergesellschaft auf Mallorca weitergereicht werden sollten. Diese Tochtergesellschaft wollte an zwei Standorten (Golf Son Gual und beim Hilton Hotel Galatzo in Calvià) Photovoltaikanlagen mit Batteriespeichern und Ladestationen für Elektrofahrzeuge kaufen und betreiben, um damit Stromverkaufserlöse zu erzielen. Tatsächlich seien 7 % (40.600 Euro) als Vermittlungspauschale abgeflossen, die restlichen 539.400 Euro zwar nach Mallorca überwiesen, aber nie investiert worden, und zwar wegen technischer Probleme, fehlender Zustimmungen und weggefallener Förderungen. Am Ende sei das Geld im Januar 2026 vorzeitig an die Anleger zurückgezahlt worden. Ergänzt wird dies durch weitere, gleich aufgebaute Beiträge zu anderen Anbietern. Genau diese Behauptungen werden im Folgenden auf ihre Haltbarkeit geprüft.

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Der Widerspruch im Kern: ein gescheitertes Projekt mit glücklichem Ende

Das größte Problem liegt in der Natur der beschriebenen Anlage der CrowdPower Invest GmbH. Ein Nachrangdarlehen ist gerade dadurch definiert, dass die Anleger im Krisenfall ganz hinten in der Reihe stehen: Geht das Projekt schief, werden zuerst alle anderen Gläubiger bedient, und für die Nachrangdarlehensgeber bleibt typischerweise wenig bis nichts übrig. Genau dieses Risiko ist der Preis für die hohen Zinsen. Die Geschichte behauptet nun aber, dass das Projekt der CrowdPower Invest GmbH vollständig scheitert, dass nichts investiert wird, keine Anlage gebaut wird, kein Strom verkauft wird, und trotzdem alle Anleger ihr Geld vorzeitig und offenbar vollständig zurückbekommen. Das ist ein innerer Widerspruch. Ein gescheitertes Nachrangdarlehen, bei dem am Ende alle heil herauskommen, hebt genau das Merkmal auf, das ein Nachrangdarlehen ausmacht.

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Woher kommt das Geld für die Rückzahlung?

Damit hängt die zweite Unmöglichkeit zusammen. Wenn die von der CrowdPower Invest GmbH eingesammelten Mittel „zu keinem Zeitpunkt tatsächlich investiert“ wurden, dann hat das Vorhaben auch keinerlei Erträge erwirtschaftet. Ohne Stromverkauf, ohne betriebene Anlage, ohne wirtschaftliche Tätigkeit gibt es schlicht keine Quelle, aus der Zinsen von 8 % oder überhaupt eine geordnete Rückzahlung finanziert werden könnten. Geld, das ein Jahr lang nur untätig herumliegt, vermehrt sich nicht von selbst. Die Erzählung liefert für diesen entscheidenden Punkt keine Erklärung. Sie behauptet einfach, das Geld sei da gewesen, obwohl nach ihrer eigenen Logik nichts vorhanden sein dürfte.

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Geld, das monatelang „nur weitergeleitet“ wird

Ebenso unplausibel ist die Vorstellung, dass fast 540.000 Euro zwischen September und November 2024 von der CrowdPower Invest GmbH an ihre Projektgesellschaft auf Mallorca überwiesen werden, dort aber über ein Jahr hinweg vollkommen unangetastet und unbeschädigt liegen bleiben, um dann Anfang 2026 wieder unversehrt zurückzufließen. In der Realität ist Kapital, das erst einmal in eine eigenständige Auslandsgesellschaft geflossen ist, weder problemlos „geparkt“ noch beliebig zurückholbar. Dass genau der volle Betrag den kompletten Weg zurückfindet, als hätte man ihn nur kurz zwischengelagert, passt zu keinem realistischen Ablauf einer Vermögensanlage.

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Die zu bequeme Häufung von Ausreden

Auffällig ist auch, dass der Prüfer Martin Jäschke für das Scheitern gleich mehrere schwere Gründe gleichzeitig anführt: unerwartete technische Probleme, fehlende verbindliche Zustimmungen der Standorteigentümer und der Wegfall staatlicher Förderungen. Jeder dieser Punkte hätte allein schon vor dem Einsammeln des Geldes auffallen müssen. Dass ausgerechnet die grundlegende Frage, ob die Grundstückseigentümer überhaupt zugestimmt haben, erst nachträglich als Hinderungsgrund auftaucht, ergibt keinen Sinn: Ein seriöses Vorhaben klärt genau das, bevor Anlegergelder fließen. Die Ballung aller denkbaren Ausfallgründe wirkt weniger wie eine echte Ursachenanalyse als wie ein nachträglich zusammengesetztes Alibi.

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Ungereimtheiten in Zeitablauf und Zahlenwerk

Auch die Abfolge passt nicht recht zusammen. Die Gelder werden schon Ende 2024 überwiesen, danach folgen aber noch Kontrollberichte von Martin Jäschke im Februar und August 2025, und zwar zu einem Projekt, in dem laut Darstellung ohnehin nie etwas passiert. Die Rückzahlung erfolgt im Januar 2026, der „Abschlussbericht“ ist jedoch auf Mitte Februar 2026 datiert, also nachdem bereits alles erledigt sein soll. Dazu kommt das verdächtig glatte Zahlenwerk: von den 580.000 Euro exakt 7 % Vermittlungspauschale (40.600 Euro), eine exakt aufgehende Restsumme von 539.400 Euro, durchweg runde Beträge. Reale Abwicklungen sehen selten so sauber und widerspruchsfrei gerundet aus.

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Dasselbe Muster bei den übrigen Beiträgen

Die weiteren Berichte auf der Seite folgen erkennbar derselben Schablone und teilen damit dieselben Schwächen. Der Bericht der Rödl Treuhand Hamburg GmbH Steuerberatungsgesellschaft zu den „Grünen Solar- und Batteriesystemen“ in Kenia, Uganda und Tansania, das Kaufangebot der Angelika Bechhaus Deutschland an die Aktionäre der Wiluna Mining Corp. Ltd. und die Mittelverwendungskontrolle der ecoligo Projects Eight UG (Berlin) zur Anlage „Formas Universales“ bedienen allesamt dasselbe Grundrezept: ein sympathisches grünes Thema, ein hohes Zinsversprechen von 7 bis 8 %, ein weit entfernter und schwer überprüfbarer Schauplatz sowie echte Gesetzesbegriffe als seriöser Anstrich. Dass gleich eine ganze Serie kleiner Angebote nach exakt demselben Schema abläuft und scheitert, ist für sich genommen schon unwahrscheinlich. Reale Projekte scheitern auf ganz unterschiedliche, unordentliche Weisen.

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Fazit

Man braucht keine Kenntnis der Fiktion, um die Darstellung zu entkräften. Ein Nachrangdarlehen der CrowdPower Invest GmbH, das scheitert und trotzdem allen ihr Geld zurückbringt; eine Rückzahlung samt Rendite aus einem Projekt, das nachweislich nichts erwirtschaftet hat; fast eine halbe Million Euro, die auf Mallorca monatelang unversehrt „geparkt“ wird; und eine Sammlung von Ausfallgründen, die man vorher hätte kennen müssen: all das trägt sich gegenseitig nicht. Dass die Rödl Treuhand Hamburg GmbH Steuerberatungsgesellschaft, die Angelika Bechhaus Deutschland, die Wiluna Mining Corp. Ltd. und die ecoligo Projects Eight UG (Berlin) dasselbe Muster fortsetzen, verstärkt den Eindruck nur. Die Behauptungen sind nicht deshalb unwahr, weil jemand es so festgelegt hat, sondern weil sie sich an schlichten wirtschaftlichen Tatsachen und an ihrer eigenen inneren Logik brechen.